Wie der Einzelhandel mit digitalen Features punkten kann

Katharina von Schacky, Bereichsleiterin Real Estate Markets Shopping bei Commerz Real



Als sich Amazon vor 23 Jahren in einer kleinen Garage in Seattle gründete, hielten selbst Experten den Einkauf per Computermaus lediglich für eine modernere Variante des klassischen Versandhandels. Heute sind wir klüger: Die „Amazonisierung“ hat dem Einzelhandel weit mehr als einen weiteren Verkaufskanal geöffnet. Sie war auch der Katalysator für einen ohnehin präsenten Trend: die stärkere Fokussierung auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden.

Sicherlich kann man Amazon als einen der wichtigsten Impulsgeber dieses Wandels bezeichnen. Gleichzeitig wird der Gigant des E-Commerce oftmals für das Verschwinden stationärer Ladengeschäfte und letztlich auch für sinkende Verkaufszahlen im Einzelhandel verantwortlich gemacht. Aber ist diese Annahme gerechtfertigt? Oder beruht Amazons Erfolg nicht viel eher darauf, die Zeichen der Zeit richtig erkannt und zum eigenen Vorteil genutzt zu haben? Viele Einzelhändler hielten es beispielsweise bis dato für unnötig, ihre Vertriebsstrukturen an die Ansprüche und Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Obwohl Letztere seit geraumer Zeit eine schnellere und bequemere Warenlieferung nachfragten, konnten oder wollten viele Händler diesen Service schlicht nicht umsetzen. Hinzu kommt, dass sich das Kaufverhalten im Internet fundamental vom Einkauf im klassischen Einzelhandel unterscheidet, was für den Verkauf bestimmter Produktgruppen durchaus von Nutzen sein kann. Kunden, die beispielsweise Spielzeug oder Bücher im Internet bestellen, legen mehr Wert auf eine schnelle, unkomplizierte Lieferung und die Bewertungen anderer Kunden als auf die Möglichkeit, das Produkt vor dem Kauf in den Händen gehalten zu haben. Aus diesem Grund eignen sich diese Produktgruppen auch heute noch ideal für Online-Marktplätze wie Amazon und Co.

Auf der anderen Seite gibt es auch viele Produkte, die Kunden vor dem Kauf anfassen, begutachten und ausprobieren möchten. Lebensmittel sind ein solches Beispiel, Mode ein weiteres. Besonders in Deutschland kauft ein Großteil der Kunden Lebensmittel noch immer im stationären Handel. Dem klassischen Modehandel machen Online-Plattformen dagegen durchaus Konkurrenz. Obwohl die Online-Verkäufe von Kleidung zugenommen haben, finden viele Händler jedoch Wege, den Online- mit dem Offline-Handel zu verknüpfen und den Einkauf im Laden für Kunden attraktiv zu gestalten.

 

 

In der Kosmetikindustrie haben digitale Innovationen bereits einen eindeutig verkaufsfördernden Effekt. In einer Niederlassung der trendigen Londoner Marke Charlotte Tilbury’s können Kunden am Bildschirm auf einem Foto des eigenen Gesichts verschiedenste Make-Up-Looks ausprobieren. Augmented Reality – eine mithilfe des Computers erweiterte Realität – heißt dieser digitale Trend. Gefällt dem Kunden einer der Looks, kann er sich das am Computer generierte „Spiegelbild“ nicht nur sofort per E-Mail zusenden lassen, sondern erhält auch eine genaue Liste der zum Nachschminken benötigten Produkte.

Auch für die Einkaufstempel bietet die Digitalisierung vielfältige Möglichkeiten, Produkte zu bewerben, zu vertreiben und zuzusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Was Amazon vor mehr als 20 Jahren im Online-Business war, ist Commerz Real heute im digitalen Destination-Management. Im Belfaster Shopping Center Victoria Square steht Kunden ein ganz besonderer Service zur Verfügung. Wer auf der Suche nach einem bestimmten Artikel ist, kann die Hilfe eines persönlichen Einkäufers in Anspruch nehmen. Und so funktioniert´s: Sobald der personal Assistant fündig geworden ist, erhält der Kunde per App oder Mail neben Foto und Preis auch genaue Angaben darüber, wo der Artikel in der Mall vorrätig ist. Langes Suchen oder Online-Recherche waren gestern. Heute geht man ohne Umwege in den richtigen Laden und kauft ganz gezielt das günstigste Angebot ein!

Für Kunden, die lieber selber vergleichen wollen, entwickelt Commerz Real aktuell mit einigen Partnern spezielle Suchmaschinen für die betriebenen Einkaufszentren. Auf dem Portal finden Interessenten nicht nur sämtliche im Shoppingcenter verfügbaren Produkte, sondern auch alle wichtigen Informationen rund um die verschiedenen Artikel. Dies ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern bei Westfield in London bereits heute Realität.

Um in puncto Service immer besser zu werden, ist es daher wichtig, dass Einzelhändler und Betreiber noch enger zusammenarbeiten. Würden Händler beispielsweise ihre Systeme und so die Verfügbarkeit der Waren für die Center-Betreiber einsehbar machen, könnten noch bessere Verkäufe erzielt werden.

Letztlich liegt uns allen das Gleiche am Herzen: die Zufriedenheit der Kunden. Kunden, die sowohl in stationären Geschäften stöbern als auch digitale Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchten. Darum müssen wir die Digitalisierung nutzen und als Vermieter zusammen mit den Einzelhändlern daran arbeiten, die Wünsche der Kunden noch besser zu erfüllen. Ein Ladengeschäft ist idealerweise ein Showroom, ein Lager und ein Erlebnis – das sollten unsere Grundpfeiler sein.

Weitere Artikel

USA: Wo investieren lohnt

hausInvest wird noch globaler. Neben Europa liegt besonders Nordamerika in unserem Investitionsfokus. Dabei konzentrieren wir uns ausschließlich auf Akquisitionen von Premium-Immobilien in Wachstumsregionen. Weitere Informationen zum Wachstumsmarkt USA im Interview mit Henning Koch, Global Head of Transaction.

Mehr erfahren